Unsere Feststellungen und Forderungen sind nicht aus der Luft gegriffen. Beispielhaft wird hier auf einige genauer eingegangen.
Beispiel Tramnetz
Siehe Massnahmenblatt BB10 und Faktenblatt öV-Hauptkorridore
Im Raum Baden herrscht geografisch bedingter Platzmangel. Es reicht knapp für den Langsamverkehr, MIV und Busse. Obendrauf noch ein schienengebundenes Tram einzubinden ist einfach zu viel. Trotzdem sollen Tramkorridore im Richtplan verbleiben oder neu eingeführt werden.
Dagegen sprechen zusätzlich zwei weitere Fakten:
- Mit dem Richtplaneintrag sind bei allen Massnahmen auch noch die Möglichkeit eines Trams zu berücksichtigen. Das führt zu einer Einschränkung der Lösungsmöglichkeiten und zu Zusatzkosten, z.B. beim Brückenkopf Ost, aber auch an anderen Orten.
- Ein SBB-Direkttunnel Zürich Altstätten nach Aarau mit seinen enormen Kosten ist spätestens mit dem Bericht Weidmann in sehr (!) weite Ferne gerückt. Die SBB werden deshalb auf viele Jahrzehnte hinaus kein Tram im Mischverkehr auf der Nationalbahnlinie zulassen.
Zu den beiden schwarzen Pfeilen:
Jedes schienengebundene Verkehrsmittel braucht einen Burghaldetunnel. Dass mit ZEL reichlich Platz auf dem Schulhausplatz entsteht, mag glauben wer will.
Dass parallel zu den möglichen Tramachsen mit einer Ausnahme (Burghaldetunnel) schon heute durchgehend separat trassierte Bahnlinien bestehen, wird weder im Massnahmen- noch im sog. Faktenblatt erwähnt, geschweige denn diskutiert – ein Prachtbeispiel von Röhrenblick. Die im Faktenblatt erwähnten Entwicklungsschwerpunkte Wettingen Ost und Dättwil lassen sich bei Notwendigkeit mit einer Haltestelle Tägerhard und der Wiedereinführung des Personenverkehrs auf der Nationalbahnlinie (inkl. Burghaldetunnel) sehr gut abdecken.
Beispiel Obersiggenthaler Brücke – innere Bruggerstrasse
Siehe Beilage 2 zum Anhörungsbericht («Gesamtbericht») Seite 41
Der Knoten „Boldi“ auf der Nordseite der Obersiggenthaler Brücke ist angeblich am Morgen überlastet!?!
Dass starker Verkehr auf einer Rechtsabbiegespur kaum zu Problemen führt, solange die Belastung des Linksabbiegers von der Gegenseite (hier von Ennetbaden her auf die Brücke) gering ist, sollte einer Fachperson schon ohne Augenschein klar sein. Bemüht man sich um 07:00 Uhr an Ort, zeigt sich sofort, dass das Problem auf der Badener Seite (beim Martinsberg Felsen) und beim Abfluss in Richtung Stadtzentrum („Innere Bruggerstrasse“ liegt. Mangels Busspur im Bereich Martinsberg Felsen werden auch die Busse ausgebremst.
Für Velos und Fussgänger ist die Situation im Bereich Martinsberg Felsen ungemütlich eng und die Weiterfahrt mit der Querung der stark belasteten Bruggerstrasse gefährlich. Es gibt eine Lösung, wie Velofahrende aus Will-Turgi, Kappelerhof und dem Siggenthal ohne die gefährliche Querung der Bruggerstrasse zum Bahnhof Baden gelangen könnten. Sie wird von den Planern, wohl mangels Ortskenntnisse, nicht gesehen.
Unter den 200 Massnahmen findet sich nichts zum Knoten Martinsberg Felsen. Für die heute schon überlastete „Innere Bruggerstrasse“ werden Vorschläge gemacht, welche die Kapazität deutlich reduzieren und insbesondere in den Abendspitzenzeiten zu einem Zusammenbruch des Verkehrs (inkl. eine Buslinie) führen würde. Siehe z.B. Massnahmenblatt SB03.
Beispiel unsinnige Auswirkungen des Tramkorridors im Richtplan
In Wettingen wird aktuell hitzig über die mögliche Ansiedlung einer neuen Firma, Hitachi, östlich vom Schwimmbad Tägerhard debattiert. Über die Ansiedlung auf der grünen Wiese mögen die Meinungen geteilt sein. Sicher ist aber, ohne den unnötigen Tramkorridor auf Vorrat, könnte etwas vom Grünraum für die Nachwelt aufgespart werden. Zwischen der Ansiedlungsfläche und dem Gartenbad wird nämlich eine Trasse reserviert, auch wenn ein Tram bei uns in der Region wohl nie jemand brauchen wird.
Grün:
Der Freihaltekorridor für das Tram zwischen dem Sportzentrum Tägerhard und der
neu anzusiedelnden Firma.
Die Firmenansiedlung wird oft auch als Argument für das Tram erwähnt. Dabei geht vergessen, welche schlechte Linienführung für das Tram geplant ist. Das Tram wird weder eine Verbindung zum Bahnhof Neuenhof herstellen noch auf direktem Weg ins Zentrum von Baden und Wettingen fahren. Mitarbeitende aus Wettingen werden schneller mit dem Bus zur neuen Arbeitsstelle gelangen und Mitarbeitende aus Baden oder aus dem unteren Aare Tal werden hauptsächlich von einer neuen Haltestelle der S6 unmittelbar neben dem Firmenareal profitieren.